Beispiel
Humanistischer Informationsbrief Februar 2003
(an 961 Empfänger)

Ist die Wahrheit erstes Opfer?

Nach den jüngsten Landtags-Wahlen 2003 waren im (öffentlich-rechtlichen) Fernsehen von ModeratorInnen Formulierungen zu hören wie "Niedersachsen ist wieder schwarz" oder "Schröders Stammland tiefschwarz". Das klingt vielleicht witzig, trägt aber eher zu einer weniger an Wahrheit orientierten Meinungsbildung bei.
   Wahrheit ist, dass in Niedersachsen lediglich ein Drittel aller Wahlberechtigten CDU gewählt haben, genau 32,4 Prozent, und die stärkste Gruppe mit genau 33 Prozent die Nichtwähler sind. Hier die wahren Zahlen unter Einbeziehung aller Wahlberechtigten, in Klammern die offiziellen, amtlichen Zahlen:
   SPD 22,4 (33,4); CDU 32,4 (48,3); Grüne 5,1 (7,6); FDP 5,4 (8,1);
Andere 1,7 (2,6); Nichtwähler 33 (0,0) Prozent.
   Dies ist nur ein verhältnismäßig harmloses Beispiel dafür, wie schnell Halbwahrheiten zu Unwahrheiten werden.
Nicht erst im Krieg wird die Wahrheit zum Opfer, sondern bereits bei dessen Vorbereitung. Je weniger umfassend informiert und weniger kritisch die Bürger sind, umso eher sind sie zu einem Krieg bereit, wie dies derzeit besonders in den USA, aber auch bei uns zu beobachten ist. Zum Mangel an ganzheitlicher Information kommen vorsätzliche Desinformation und - religionsunterstützte - Autoritätsgläubigkeit, die wesentlich wirksamer ist als das Gebot "Du sollst nicht töten!".
   Einen wesentlichen Beitrag zur Wahrheitsfindung und zum besseren Verständnis der angestrengten Bemühungen der US-Regierung um eine Anwendung ihrer gründlichen Kriegsvorbereitungen brachte eine TV-Sendung im WDR am 24.02.2003. Hier deren Ankündigung:
   "Zum Verhältnis zwischen US-Regierung und Ölindustrie - Bush angeblich gekauft. - Die US-amerikanische Erdölindustrie hat George W. Bush mit millionenschweren Wahlkampfspenden ins Amt gehievt. Das ist die Kernthese der WDR-Reportage unter dem Titel "Das Kartell - Die US-Regierung und das Öl". Dafür habe sich Bush mittlerweile erkenntlich gezeigt, behaupten Kritiker. Eine ganze Reihe seiner ehemaligen Gönner und Vertrauten sind mittlerweile in hohen Positionen der US-Administration. Zufall? Alles Quatsch, schließlich sind die USA eine Demokratie? Oder stimmt die Behauptung von Bill Allison vom Washingtoner Institut Public Integrity? Der behauptet, der Präsident der Vereinigten Staaten sei gekauft worden."
   WDR-Auslandsreportage als Videostream und Manuskript zum Film (pdf) im Internet unter der Adresse: <www.die-story.de>
   Um Missverständnissen vorzubeugen: Es geht hier nicht um Antiamerikanismus. Bereits dieser Begriff ist ebenso unsinnig wie der des Antisemitismus. Kein vernünftiger Mensch kann gegen das amerikanische Volk sein, ebenso wenig wie gegen das jüdische, das palästinensische, das irakische, andere semitische oder sonstige Ethnien. Es geht gegen Konfliktlösungen und gegen die Durchsetzung von wirtschaftlichen Interessen mit menschenunwürdigen Mitteln. Es geht gegen jede Gewalt an unschuldigen Menschen.
   Es geht darum, rechtzeitig und kontinuierlich gegen Pläne von Verantwortung tragenden Menschen anzugehen, auch wenn es Freunde sind, die zu Gewalt an unschuldigen Menschen führen, diese Gewalt dulden oder anordnen. Es geht darum, die Rüstungsindustrie und deren Handel öffentlicher zu machen. Es geht darum, vorbeugend öffentlich und auch vertraulich zu menschenwürdigen Staatsformen, Kulturen und Religionen zu ermutigen, hierzu Hilfe anzubieten und solche Strukturen selber glaubwürdig vorzuleben, zu überprüfen und zu vervollkommnen.
   Es geht darum, die eigene Geschichte kritisch aufzuarbeiten, Unrecht (Genocid an Ureinwohnern) und Irrtümer (Berufung auf von Gott zugewiesenes Land) der eigenen Nation zu erkennen, anzuerkennen und großzügig wiedergutzumachen. Es geht darum, die Motive des eigenen individuellen und des gesellschaftlichen Handelns sowie dessen nachhaltige Auswirkung auf das Ganze zu erkennen und zu verantworten sowie Abschied zu nehmen von Überheblichkeit und Machtstreben und von mystischen Glaubensbezügen zur Rechtfertigung von Ungerechtigkeiten und Gewalt.
   Es geht darum, wahrheitsorientierte Menschen- d.h. Identitätsbildung zu betreiben, globale ethische Maßstäbe zu benennen und als höchsten Wert weniger eine undefinierbare und daher beliebig interpretierbare Gottesvorstellung, sondern real verinnerlichbare und konkret anwendbare verantwortliche Menschlichkeit zu setzen. Wahrheit ist gebunden an Erkenntnisfähigkeit und erfordert ständiges Streben nach Wahrhaftigkeit zu ihrer Erhaltung.

Freundliche Grüße

Rudolf Kuhr
Humanistische AKTION

Februar 03

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Ein Bekenntnis zum
Humanismus als ethische
Orientierung ist die
Erklärung der Bereitschaft,
sich dem Anspruch des
Menschseins zu stellen.

 


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07.06.12