Gedanken zur Lebensqualität
Komplizierte und unüberschaubare Vorstellungen vom "richtigen" Leben haben wir zur Genüge, davon leben die religiösen und materialistischen Ideologien, die Theologen, Philosophen, die Wirtschaftler und schließlich auch die Psychologen, Kriminologen und Ärzte. Ist denn so groß das Geheimnis, was Gott und die Welt und der Mensch sei? Nein, doch niemand hört's gerne - da bleibt es geheim. So Geheimrat Goethe. Warum hört's niemand gerne? Weil es so einfach, so ernüchternd und unbequem ist. Weil es den Menschen auf sich selbst zurück verweist. Friedrich Schiller sagte: Suchst du das Höchste, das Größte? Die Pflanze kann es dich lehren. Was sie willenlos ist, sei du es wollend; - das ist's. Der Mensch hat demnach von der Natur her die Aufgabe - im Prinzip nicht anders als die Pflanze - sich je nach Anlage und Umweltbedingungen zu größtmöglicher Entfaltung zu bringen. Mehr nicht, aber auch nicht weniger. Das Problem ist, daß der Mensch ein Wesen mit einem Bewußtsein seiner selbst ist und neben den vielen Gefahren, den bereits von der Natur her gegebenen Ungerechtigkeiten vor allem seine relative Unbedeutsamkeit und Endlichkeit erkennen kann. Im Gegensatz zu Pflanze und Tier spaltet ihn sein Verstand von seiner Mitwelt ab, löst ihn aus der ganzheitlichen Geborgenheit. Das verunsichert und macht Angst. Um Sicherheit zu gewinnen, ist er auf der Suche, und wenn er es nicht schafft, mit Hilfe seines Verstandes die Realität zu erkennen und auszuhalten und sich damit wieder in die Ganzheit seiner Mitwelt einzubinden, dann sucht er sich möglichst wirksame Heilmittel in Form von materiellen oder geistigen Drogen. Wie bei allen Heilmitteln, so sind auch bei den geistigen, den religiösen und materialistischen Heilslehren oder Ideologien die Gefahren der Nebenwirkungen wie schlimmstenfalls Abhängigkeit, Zerstörung der Persönlichkeit und Umwelt gegeben.
Lebens-Qualität beziehungsweise -Beschaffenheit ist dann am
größten beziehungsweise am sinnvollsten, wenn der Sinn des Lebens
in seiner einfachsten Form erkannt ist und dann auch zielgerecht angewandt
wird. Das bedeutet, daß der Mensch mindestens drei grundlegende Bereiche
beachtet, die das Wesentliche für seine Lebensgestaltung enthalten:
Die drei Bereiche können sich teilweise überschneiden und in ihrem Ausmaß variieren, keiner sollte aber einen anderen mehr als nötig beeinträchtigen.
Zu 1.: Zur
Persönlichkeitsentwicklung gehört
Selbsterkenntnis, Lebenserfahrung und
Ziel-Orientierung.
Zu 2.: Die Erwerbstätigeit ist sinnvoll, wenn sie im Umfang über die persönliche Bedarfsdeckung nicht hinausgeht und vom Inhalt her möglichst ökologisch oder humanitär ausgerichtet ist. Zu 3.: Der gemeinnnützige Dienst an der Mitwelt ist ein Bedürfnis mündiger Menschen und umfaßt Natur und Mitmenschen, nah und fern. Lebens-Qualität wird verbessert, je mehr der von der Natur vorgegebene Sinn des eigenen Lebens erkannt, verinnerlicht und immer wieder angestrebt wird. Wer weiterlebt wie bisher, hat nicht begriffen, was droht; es nur intellektuell zu denken, bedeutet nicht, es auch in die Wirklichkeit seines Lebens aufzunehmen. So Karl Jaspers. Erhöhung der Lebens-Qualität bedeutet, die derzeitige Lage zu erkennen und zu versuchen, in Übereinstimmung mit dem Sinn zu bringen, ohne zu resignieren oder sich dabei zu überfordern. Lebens-Qualität zu verbessern, wird immer wieder ein Hin und Her zwischen dem Sich-selbst-Fordern und dem Geduldigsein bedeuten. Es wird auch bedeuten zu erkennen, daß wir in unserer Gesellschaft eine äußerliche Sicherheit und Bequemlichkeit geschaffen haben, die in mancherlei Hinsicht auf Kosten der Menschlichkeit erreicht wurde, und an der wir leiden. Unser Wohlstand ist lediglich ein materieller, der durch Ausbeutung von Mensch und Natur geschaffen wurde. Lebens-Qualität erhöhen erfordert Menschenbildung. Bildung der Menschlichkeit durch Orientierung am ganzheitlich verstandenen Humanismus, am Menschentum, dem von der Natur vorgebenen Sinn des menschlichen Lebens.
Lebens-Qualität erhöhen bedeutet Arbeit an der eigenen Person als dem uns am nächsten erreichbaren Teil unserer mitzugestaltenden Mitwelt. Wie gehe ich mit mir selbst und mit meinen Mitmenschen um und warum so und nicht anders? Wie kann ich konstruktiver denken und handeln? Wie kann ich der von der Gesellschaftsstruktur geprägten Tendenz zur Individualisierung und Isolierung entgegenwirken und zu mehr Zusammenarbeit mit anderen kommen. Wie kann ich als Kopfmensch mit Hilfe von aufrichtigen Mitmenschen mögliche Abspaltungen von meinen Gefühlen erkennen und überwinden, um ganzheitlicher zu werden und zu leben?
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Aktualisiert am 15.02.09