Kind und Eltern

Zitate zum Nach- und Vorausdenken  

Mutter-Ideal

"Eine Mutter, wie wir sie einmal gebraucht hätten - empathisch (einfühlend) und offen, verstehend und verständlich, verfügbar und verwendbar, durchsichtig, klar, ohne unbegreifliche Widersprüche, ohne beängstigende Requisitenkammer - , eine solche Mutter haben wir nicht gehabt, und die kann es ja gar nicht geben, denn jede Mutter hat in sich ein Stück "unbewältigter Vergangenheit", das sie dem Kind unbewußt vermittelt. Jede Mutter kann nur da empathisch sein, wo sie von ihrer Kindheit freigeworden ist, und muß unempathisch reagieren, sofern sie durch Verleugnungen ihres Schicksals unsichtbare Ketten trägt."

aus Alice Miller: 'Das Drama des begabten Kindes und die Suche nach dem wahren Selbst' 

Kinder-Wunsch

"Wenn eine Person spürt, daß sie nicht fähig ist, ihrem eigenen Leben einen Sinn zu geben, versucht sie, diesen Sinn im Leben der Kinder zu finden."

aus Erich Fromm: 'Die Kunst des Liebens' 

Von den Kindern

"Eure Kinder sind nicht eure Kinder. Es sind Söhne und Töchter von des Lebens Verlangen nach sich selber. Sie kommen durch euch, doch nicht von euch; Und sind sie auch bei euch, so gehören sie euch doch nicht.

Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, doch nicht eure Gedanken, denn sie haben ihre eignen Gedanken. Ihr dürft ihren Leib behausen, doch nicht ihre Seele. Denn ihre Seele wohnt im Hause von Morgen, das ihr nicht zu betreten vermögt, selbst nicht in euren Träumen.

Ihr dürft euch bestreben, ihnen gleich zu werden, doch suchet nicht, sie euch gleich zu machen. Denn das Leben läuft nicht rückwärts, noch verweilt es beim Gestern. Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder als lebende Pfeile entsandt werden. Der Schütze sieht das Zeichen auf dem Pfade der Unendlichkeit, und er biegt euch mit seiner Macht, auf daß seine Pfeile schnell und weit fliegen.

Möge das Biegen in des Schützen Hand euch zur Freude gereichen. Denn gleich wie er den fliegenden Pfeil liebt, so liebt er auch den Bogen, der standhaft bleibt."

aus Khalil Gibran: 'Der Prophet' 

Wunder Kind

"Manchmal erfaßt mich, wenn ich um mich blicke, ein Gefühl tiefster Bestürzung. Denn in der Verwirrung, die heute über der Welt liegt, erkenne ich eine Mißachtung der wesentlichen Werte des Lebens. In jeder Sekunde leben wir in einem neuen Augenblick des Universums, einem Augenblick, der noch nie da war und nie wieder sein wird.

Und was bringen wir unseren Kindern in der Schule bei? Daß zweimal zwei vier ist, und daß die Hauptstadt von Frankreich Paris heißt.

Wann werden wir ihnen darüber hinaus beibringen, was sie sind? Wir müßten jedem einzelnen von ihnen sagen: Weißt du, was du bist? Du bist ein Wunder, du bist einzig in Deiner Art. Auf der ganzen Welt gibt es kein anderes Kind, das dir genau gleich käme; in den Millionen Jahren, die hinter uns liegen, hat es noch nie ein Kind wie dich gegeben. Und sieh dir deinen Körper an, was für ein Wunder der ist - deine Beine, deine Arme, deine geschickten Finger, deine Bewegungen.

Du kannst ein Shakespeare werden, ein Michelangelo oder ein Beethoven. Du hast in dir alle Möglichkeiten, ja, du bist ein Wunder, und wenn du einmal groß bist, kannst du dann einem anderen Wesen Schaden zufügen, das genau wie du ein Wunder ist?

Du mußt tun, was du kannst, wir alle müssen tun, was wir können, damit diese Welt ihrer Kinder würdig wird."

Glenn Gould, Pianist 

Erzieher-Schuld

"Denn  d a s  ist Schuld, wenn irgendeines Schuld ist: die Freiheit eines Lieben nicht vermehren um alle Freiheit, die man in sich aufbringt. Wir haben, wo wir lieben, ja nur dies: einander lassen; denn daß wir uns halten, das fällt uns leicht und ist nicht erst zu lernen".

Rainer Maria Rilke, Dichter (1875-1926) aus Requiem (1908) 'Für eine Freundin' 

Eltern-Liebe

"Lieben heißt freilassen. Die Situation der heutigen Kleinfamilie ist glänzend geeignet, um Kinder zu Befriedigungsobjekten von Bedürfnissen der Erwachsenen zu machen.

Falsche Liebe reagiert beleidigt, wenn sie keine Gegenliebe findet und macht dem Kind ein schlechtes Gewissen, um es an sich zu binden. Richtige Liebe freut sich daran, daß das Kind täglich Fortschritte macht in sein eigenes Leben. Sie kann freigeben. Es gibt sicher nichts Schwierigeres als das zu tun."

Helmut Kentler 

Meisterschaft

Groß und glücklich wäre der Meister, der alle seine Schüler
größer machen könnte, als er selbst war.

Johann Gottlieb Fichte, Philosoph (1762-1814)  

Kinder-Bildung

Bewußt und reflektierend miteinander leben und wachsen, die Kinder einfühlend begleiten, Entfaltung ermöglichen, auch mal etwas fordern und begrenzen, mehr aber bestärken und ermutigen, vor allem aber grundsätzlich akzeptieren, möglichst lieben, das ist die beste Erziehung - oder besser, Be-ziehung.

humanistisch

 


weiter   -   zurück zum Inhaltsverzeichnis   -   nach oben

www.wachstum-an-menschlichkeit.de/

Aktualisiert am 14.02.09