Humanismus als ethisches Immunsystem
Säkularer Humanismus' versus 'Religiöser Humanismus'?
 
Aus einem Brief  vom 13.07.98 an einen Bekannten zu dem obigen Thema, das bei der 'Humanistischen Akademie' zur Diskussion stand. 

... Humanismus ist unteilbar! Humanismus enthält die ganze Fülle menschlicher Möglichkeiten, so auch Liberalität, Toleranz und Solidarität, das macht seine Ganzheitlichkeit, Größe und Stärke aus. Im Humanismus hat alles Platz, was Menschlichkeit ausmacht, sogar irreale Wunschvorstellungen, denn auch irren ist menschlich. Dies ist möglich, weil der Humanismus besonders auch die ständige Forderung nach Hinterfragen, Überprüfen, Weiterentwickeln und Vervollkommnen enthält, was ihn für viele, die an bequemen Zwischenstationen menschlicher Entwicklung festhalten wollen, unbequem sein läßt. So haben Mündigkeit und Vernunft im Humanismus immer wieder ihre ordnende und weiterführende Aufgabe und bilden im Zweifelsfall stets die letzte Instanz. Humanismus ist universell, wer ihn aufteilen und für seine Zwecke anpassen will, der ist dessen Anforderungen noch nicht gewachsen, dies läßt er durch einschränkende Bezeichnung wie säkularer oder sozialer Humanismus erkennen.

   Deshalb ist es auch für einen ganzheitlich eingestellten Humanisten zumindest unbefriedigend, wenn Menschen, die den Begriff Humanismus zwar uneingeschränkt verwenden, wie dies bei der 'Humanistischen Union' der Fall ist, diesen umfassenden Begriff dann aber nur eingeschränkt anwenden, indem sie ihn auf den juristischen Bereich beschränken.

   Humanismus ist gewissermaßen ein ethisches Immunsystem, das in der Lage ist, in humanistisch orientierten Gehirnen geistige Viren in Form von irrationalen, unethischen, unmündigen und menschen-unwürdigen Vorstellungen selbsttätig durch Antikörper der Vernunft, Ethik und Menschenwürde zu neutralisieren. Dagegen sind in nicht humanistisch orientierten Gehirnen die Antikörper unterentwickelt, sie werden von den Viren angegriffen und klein gehalten.

   Ähnlich wie im Immunsystem des menschlichen Körpers, wo es wenig Zweck hat, mit Sterilität und Antibiotika Bakterien und Viren völlig ausmerzen zu wollen, so hat es auch im geistigen Organismus wenig Sinn, mit Mitteln wie Atheismus und Anti-Religion eine ideologische Sterilität zu schaffen, da so die gesunderhaltenden Antikörper aus der Übung kommen. ...  

*

Der moralische Imperativ
des Humanismus
ist das Bemühen an sich,
sei es erfolgreich oder nicht
und immer vorausgesetzt,
dass der Versuch achtbar ist
und ein Misserfolg
im Gedächtnis behalten wird.

Peter-Paul Manzel

 


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Aktualisiert am 29.05.12