Beispiel
Humanistischer Infodienst August 2006
(an 1025 Empfänger)

Barbarei in Nahost

Mehr Kinder als Erwachsene wurden bisher getötet, so heißt es in den Medien.
   >>Der Krieg hat viele Wurzeln und wächst ganz langsam heran<< (globale Weisheit).
   "Jeder Frieden muss auf dauerhaften Prinzipien aufgebaut werden." sagte Condoleezza Rice in Israel. Für viele Israelis ist ein solches Prinzip, dass ihnen Gott Palästina zugesprochen hat. Für einige Moslems ist es Prinzip, einer Partei Gottes zu gehorchen. Für einige Deutsche ist es ein dauerhaftes Prinzip, Waffen und Lizenzen zum Bau derselben in potentielle Krisengebiete zu liefern, weil ihr Gott Profit heißt. - Gut, es werden Arbeitsplätze bei uns und in Entwicklungsländern geschaffen, und wenn nicht wir liefern, dann tun es andere, aber ist das ein christliches, ein humanes Prinzip, das eines gebildeten, verantwortungsfähigen Bürgers einer Kulturnation würdig ist?
   "Mehr als 100 geplante oder bereits erfolgte Rüstungsexporte unter Beteiligung deutscher Unternehmen gibt es derzeit. Beispiele: Vier "S148 Raketen Schnellboote" aus Bundeswehrbeständen gingen nach Ägypten - "EC 635 T1 Hubschrauber", geliefert nach Jordanien - Panzerfahrzeuge der Typen "TM 170" und "Condor 2", exportiert nach Kuwait. - Bereits genehmigt: "Sig Sauer Scharfschützengewehre" und "ABC-Abwehrpanzer Fuchs" in die Vereinigten Arabischen Emirate. - In Deutschland entwickelte Motoren, Getriebe, Zielgeräte oder Kanonen finden sich in den Kampfpanzern Ägyptens, Kuwaits, Saudi-Arabiens, der Vereinigten Arabischen Emirate und Israels. ... "Deutsche Waffen auf beiden Seiten!" ... mehr hierzu bei http://www.monitor.de vom 27.07.06.
   "Deutsche Waffen, deutsches Geld töten mit in aller Welt" heißt es bei den Friedensbewegten. - Die deutschen Militärausgaben betragen 76,831 Millionen Euro täglich! bei Zinslasten von 103,502 Mio. Euro täglich! und die Staatsverschuldung wächst täglich! um 136,636 Millionen Euro! (Stat. Bundesamt, Finanzbericht 2006)
   Zu den Konfliktpotentialen gehören dauerhaft bereits die Absichten zur Gründung Israels. Churchill sagte: "... ein jüdischer Staat unter dem Schutz der britischen Krone, der vielleicht drei oder vier Millionen Juden umfassen könnte ... wäre in jeder Hinsicht vorteilhaft und in besonderem Einklang mit den wahrsten Interessen des britischen Reichs." - Bereits vor 1939 wurden 20 000 Palästinenser getötet oder verwundet und Tausende verhaftet oder deportiert! (http://www.keinblut- fuer-oel.de/)
   "Das Zeitalter ist aufgeklärt, das heißt, die Kenntnisse sind gefunden und öffentlich preisgegeben, welche hinreichen würden, wenigstens unsere praktischen Grundsätze zu berichtigen; ... - woran liegt es, daß wir immer noch Barbaren sind?", fragte Friedrich Schiller bereits vor über 200 Jahren.
   Warum schützen jüdische, muslimische und christliche Religionen bis heute nicht vor Barbarei?
   Hier noch einmal Friedrich Schiller, der sechs Jahre nach der Französischen Revolution "Über die Ästhetische Erziehung des Menschen" schrieb: "Die Vernunft hat geleistet, was sie leisten kann, wenn sie das Gesetz findet und aufstellt; vollstrecken muß es der mutige Wille und das lebendige Gefühl. Wenn die Wahrheit im Streit mit Kräften den Sieg erhalten soll, so muß sie selbst erst zur Kraft werden und zu ihrem Sachführer im Reich der Erscheinungen einen (An-; R.K.) Trieb (also eine Motivation) aufstellen; denn (An-)Triebe sind die einzigen bewegenden Kräfte in der empfindenden Welt. Hat sie (die Vernunft) bis jetzt ihre siegende Kraft noch so wenig bewiesen, so liegt dies nicht an dem Verstande, der sie nicht zu entschleiern wußte, sondern an dem Herzen, das sich ihr verschloß, und an dem (An-) Triebe, der nicht für sie handelte ... Nicht genug also, daß alle Aufklärung des Verstandes nur insoferne Achtung verdient, als sie auf den Charakter zurückfließt; sie geht auch gewissermaßen von dem Charakter aus, weil der Weg zu dem Kopf durch das Herz muß geöffnet werden."
   Für gewaltsame Konflikte sind ursächlich die verschiedensten zerstörerischen Triebkräfte ausschlaggebend. Selbst hinter offenkundig wirtschaftlichen Interessen verbergen sich letztlich rein menschliche Antriebe, die nur psychologisch erklär- und beeinflussbar sind. Zerstörerische Antriebe entstehen z.B. durch den Mangel an stabiler Identität, an Beachtung, Anerkennung, Sinn, Selbsterkenntnis sowie durch individuelle und kollektive Demütigungen. Sie setzen den hierdurch angestauten männlichen Aggressionstrieb ingang, der, verstärkt durch irrationale religiöse Versprechungen, unethische bis barbarische Handlungen ermöglicht. Es wäre z.B. zu untersuchen, inwieweit anerzogene religiöse Abhängigkeit, Beschneidung sowie tägliches Niederwerfen vor einer imaginären Autorität eine andauernde unterschwellige Aggression fördern.
   Dauerhaftes Prinzip zum Frieden wäre eine universale, tabufrei aufklärende Religion (Rückbindung auf evolutionär-humanistischer Grundlage), welche die Menschen nicht voneinander trennt, sondern den Einzelnen unmittelbar und ohne abhängig machende Vermittlung zu verantwortlicher Menschlichkeit veranlasst. Hierzu würde eine zeitgemäße Weiterbildung der etablierten Religionen in öffentlichen Debatten sowie Aufklärung mit Hilfe der Neurowissenschaft über die anlagebedingten Ursachen der entsprechenden Bedürfnisse beim Menschen beitragen.
   Auch der Frieden hat viele Wurzeln, die aber einen guten Boden (Rückbindung) brauchen, damit es eines Tages nicht mehr heißen kann: Mehr Kinder als Erwachsene wurden bisher getötet.

Rudolf Kuhr
Humanistische AKTION
August 2006

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Ein Bekenntnis zum Humanismus
als ethische Orientierung
ist ein Zeichen der Verbundenheit
mit allen Menschen.
 


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Aktualisiert am 18.05.12